Touch Darts
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Touch Darts -
Review vom 16.07.2007
Gedämpfte Klavierklänge ertönen aus der mit Sparlicht beleuchteten Ecke einer stickigen Räumlichkeit und hinterlassen bei gerade Eingetroffenen einen noch belustigten Eindruck - allerdings nur solang, bis sie sich dem aus Sicherheitsgründen abgegrenzten Bereich soweit nähern, dass die Umrisse zweier kräftiger Gestalten erkennbar werden... Die aufgewühlten und angeheizten Zuschauer feuern die beiden Kontrahenten mit wüstem Kampfgebrüll an, welche sich bis in die Fingerspitzen hochkonzentriert, einer Schweißperle auf der faltigen Stirn, die Augen starr auf den Mittelpunkt ihrer Aufgabe gerichtet, dem Ernst der Lage bewusst sind. Denn trotz der eigenen Macht und Fähigkeiten: Im Hintergedanken spukt immer der wachsame Widersacher, der ebenfalls um keinen Preis verlieren will. Doch bei diesem Wettstreit... Bei dieser Auseinandersetzung lässt keiner Gnade walten - das nun Geschehene ist beileibe nichts für schwache Nerven! ...
Plötzlich greift einer der beiden bulligen Männer zu einer spitzen, gefahrbringenden Waffe, hebt diese bis auf Augenhöhe an – und schleudert den Speer mit einer blitzschnellen Bewegung direkt inmitten das „BullsEye“ Wenige Bruchteile später: Die Menge tobt, und der siegreiche Kneipensportler erhält die Trophäe „Märkischer Dart-Meister 2007“, doch auch der solide gekämpfte zweite Teilnehmer geht nicht leer aus. Als Trostpreis gibt’s nämlich eine Urkunde und das DS-Game „Touch Darts“ aus dem Hause Sega. Damit kann er nun endlich auch gemütlich auf der Couch Dart-Pfeile durch die Gegend werfen, Highscores hinterher hecheln und für den nächsten realen Wettkampf trainieren.
Da die PlanetDS-Redaktion neuen Ideen immer aufgeschlossen ist und dem wahren Trainingsgehalt des vorliegenden Produkts nicht vollends traut, haben wir uns mit den spitzen Pfeilchen bewaffnet und ebenfalls einige virtuelle Turniere miterlebt. Wie gut (bzw. schlecht) wir dort abschnitten haben, verraten wir besser nicht – wohl aber können wir davon berichten, wie sich Segas sportlich-frische Simulation spielt. Bereit für die Wahrheit?
Abends halb 10 in Deutschland
Selten verrät der Titel eines Spiels so deutlich den Inhalt, wie man es mit „Touch Darts“ vollzieht: In verschiedenen Disziplinen, Turnieren oder Minigames greift ihr euch ein paar virtuelle Dart-Pfeile und zielt damit auf eine runde Dart-Scheibe. Natürlich hat man es sich nicht nehmen lassen, den Touchscreen intensiv als Manövriergerät einzusetzen und mit vielerlei freispielbaren Extras genügend Langzeitmotivation zu erzeugen – allerdings verraten wir an dieser Stelle noch nicht, inwiefern diese überzeugen können.
Bevor es richtig losgeht, wählt ihr euch Namen, eine Grinsebacke aus den vorhanden Charakteren aus, entscheidet euch für ein Design eurer Dart-Pfeile und macht euch in den ersten Levels mit der Steuerung, dem Hauptziel (wenn ihr euch in dieser Sportart nicht als Sportreporter Jörg Dahlmann bezeichnen wollt) und dem Setting vertraut. Egal welchen Modus ihr euch vorknöpft, der Sound nervt bereits nach wenigen Augenblicken und hinterlässt den Eindruck, als ob unmusikalische Praktikanten sich eine Leierkasten-Melodie ausgedacht und diese im Hintergrund hätten einspielen lassen. Ebenso wirkt die Grafik relativ schlicht und nur bedingt unterhaltsam, und die Steuerung erscheint anfangs kompliziert und ausgereift – glücklicherweise kippt diese beunruhigende Vermutung später, wenn man genügend geübt und ein paar Partien für sich entschieden hat. Sega liefert uns hier zwar keine reine Simulation ab (schon allein augrund der teils abgedrehten Minigames), bemüht sich aber um reelle Bedingungen und Einhaltung der physikalischen Gesetze, damit sich das Werfen der Dart-Pfeile möglichst intuitiv anfühlt – ob das nun die richtige Entscheidung war, möchten wir allerdings in Frage stellen, da besonders die ersten Versuche kaum Spaß machen können.
Nachdem man sich schweren Herzens für einen der drei Spielstände entschieden hat, steht die Wahl zwischen „Tournament“, „Challenge“, „Multiplayer“ sowie dem sogenannten MP-Modus („My Player“: hier könnt ihr euer Profil bearbeiten) und den Optionen. Wer lediglich den schnellen Spaßflash für die Mittagspause sucht, kann ohne Speichern in „Quick Play“ mit bis zu drei anderen Kollegen an einem DS zocken, wobei das Gerät hier weitergegeben und jedem Teilnehmer das Erreichen der Zahl 0 als Spielziel vorgegeben wird. Diese allen Dart-Kennern geläufige 301- bzw. 501-Variante kommt auch im Turniermodus zum Tragen, in welchem ihr gegen computergesteuerte Cartoon-Menschen antretet und euch von der noch belächelten Klasse „Rookie“ über „Amateur“ und „Pro“ schließlich zu Expert“ mausert. Wie das eigentliche Konzept nun funktioniert? Nun, diejenigen Profis unter unseren Lesern, die sich beim Erläutern der Spielregeln regelrecht ins Koma lesen würden, dürfen folgenden Abschnitt natürlich überspringen.
Mit jeweils drei Pfeilwürfen pro Runde versucht jeder Teilnehmer, seine anfängliche Punktezahl 301 oder wahlweise 501 exakt auf den Nullpunkt zu senken – Treffer in den äußersten Bereich einer Ziffer („Double“) zählen diesen Wert doppelt, die innere Markierung („Triple“) verspricht dreifache Punktzahl, ansonsten gilt natürlich der einfache Zahlenwert und außerhalb der bunten Bereiche lauert gar kein Punkt. Der Clou: Die tückische Dart-Scheibe ist so konstruiert, dass sich jeweils eine hohe und eine tiefe Ziffer nebeneinander gesellen und so einen enormen Präzisionsgrad erfordern. Schließlich will man statt der angestrebten 20 kein Single-Pünktchen ergattern!
Ins Schwarze getroffen
Besonderes Augenmerk gilt dem grünen bzw. roten Zentrum auf der Scheibe: Eine Punktlandung im äußergelegenen „Singlebull“ bringt 25, im inneren „BullsEye“ (auch als „DoubleBull“ bezeichnet) warten knackige 50 Punkte. Zum erfolgreichen Beenden der Partie muss nach der „Double Out“-Regel zum Schluss der „Double“-Bereich am äußeren Feld getroffen werden - klingt alles recht einfach, die Steuerung lässt sich aber nicht ganz so leicht bändigen: Die Stelle, welche ihr zuerst berührt, gibt die ungefähre Wurfrichtung an – nun zieht ihr den Stylus kurz (oder lang) zurück und gebt ihn mit einen eleganten Schwung nach vorne, um den Pfeil abzuschießen. Eine farbige Anzeige am Bildschirmrand zeigt an, wie viel Kraft ihr „investiert“ habt.
Wenngleich man im Turnier-Modus viele zusätzliche Extras wie Charakter-Bilder freischalten darf, steigt die Motivation anfangs nur langsamst, denn das Auskommen mit der eher enttäuschenden Technik und den schwierig zu meisternden Aufgabenstellungen ist nur selten ein Zuckerschlecken, zumal eure CPU-Widersacher nicht schlecht spielen. Später sieht es dann zumindest in einer Beziehung rosiger aus: Der rechte Turnier-Nervenkitzel heizt die Stimmung und Atmosphäre ordentlich an, sodass auch ein Scheitern nicht das Ende eurer Bemühungen bedeuten muss, schließlich auch den härtesten Gegner zu schlagen.
Mangelnde Kreativität kann man den Entwicklern auf der einen Seite nicht vorwerfen, denn die Auswahl an Dart-Minispielen bzw. Multiplayer-Modi ist wirklich umfangreich ausgefallen – leider übertönt das nicht das monotone Spielkonzept, stets nur Dart-Pfeile durch die Luft zu werfen... Trotzdem hat man sich bei der Umsetzung beispielsweise von „Killer“ (die nachfolgenden Spieler müssen das Feld treffen, auf welchem der erste Dart-Wurf gelandet ist) oder der Portierung eines an „Black Jack“ erinnernden Karten-Treffens Mühe gegeben. Im „Challenge“-Modus warten dann immerhin fünf vollgepackte Level darauf, die jeweils 10 Herausforderungen zu bestehen. Auch hier drückt leider die Tatsache die Stimmung, dass das gewählte Design nicht besonders gute Laune und Motivation vermitteln kann. Wer dennoch an der ein und derselben Bewegung mit veränderten Missionszielen und stetig ansteigendem Schwierigkeitsgrad (der euch durchaus fair ackern lässt) Spaß findet, kann sich in den Minigames herrlich austoben und die zahlreichen Boni einsammeln, die es als Belohnung gibt.
Steuerung:
Es ist schon manchmal komisch mitanzusehen: Man könnte wirklich vermuten, wenn schon ein mittelmäßiges Spiel programmiert wird, dann wird wirklich kein Fettnäpfchen ausgelassen. So präsentiert sich auch die Steuerung von „Touch Darts“ als schwammig. Via Touchscreen kann man mit dem angespitzten Stylus seine Dart-Pfeile werfen, wobei es dabei immer darauf ankommt, in welcher Geschwindigkeit man den Stift über den Bildschirm gleiten lässt, an welchem Punkt man zuerst ansetzt und welche Pfeilart vorher ausgewählt wurde. So lassen sich die einen bei schnellerer Bewegung höher schießen, als andere. Problematisch an der ganzen Sache: Die erforderte Genauigkeit macht euch häufig zu schaffen. Irgendwie hat man als Spieler das Gefühl, dass es mehr Glück als Geschick ist, wenn man den richtigen Abschnitt auf der Dartscheibe trifft. Zwar wird man nach einiger intensiver Übung besser und ein intuitives Gefühl macht sich in den Fingerkuppen breit, dennoch ist der Steuerungsmechanismus nicht der genauste.
Grafik:
Offensichtlich ist, dass sich hinter Segas sportlichem „Touch Darts“ kein grafisches Meisterwerk versteckt. Aber was erwartet man auch von einem Spielprinzip, das selbst im reellen Leben optisch gesehen, nicht gerade zu lauten Begeisterungsrufen einlädt und ohne großen Aufwand vonstatten geht? Man erkennt ganz klar, was dargestellt sein soll, und trotzdem wünscht man sich als Spiele-Genießer mehr Liebe zum Detail. Hätte man die Dartscheiben nicht mit ein paar mehr Spezial-Effekten, Farbvariationen oder ansehnlichen Figürchen am Scheibenrand „aufpimpen“ können? Einzig und allein die späteren Turniersiege sind mit Konfettischüben annehmlich in Szene gesetzt, ansonsten gibt es nicht besonders viel anzuschauen... Das Potential für den optischen Rahmen wurde leider verschenkt - hier wäre ganz klar etwas mehr Kreativität und Experimentierfreudigkeit gefragt gewesen.
Sound:
Achtung! Wer nicht von grausamsten Klängen ausgeknockt werden will, der sollte samt Gehörorganen schleunigst in Deckung gehen, denn die musikalische Untermalung von „Touch Darts“ schreit zum Himmel. Hier wirkt das Wort „schlecht“ sogar noch geschmeichelt - „annehmbar“ wäre eine glasklare Lüge. Da ist es immer wieder praktisch, im Optionsmenü den Sound abstellen zu können (obwohl der Lautstärkeregler eine praktische Alternative bildet). Als Tipp bleibt uns da eigentlich nur zu sagen: Verwöhnt eure Ohren mit der unglaublich beruhigenden Stille eurer Umgebung. Sie werden es euch danken!
Features:
Insgesamt bietet „Touch Darts“ dem interessierten Spieler vielerlei Möglichkeiten, sein Hobby an den virtuellen Wänden auszuleben: „Tournament“-, „Challenge-“, „Multiplayermodus“ und englische Bildschirmtexte sind die Zutaten, mit denen Sega ihr neuestes DS-Produkt auszeichnet. Während erstgenannte Modi noch recht Positives vermuten lassen, ist letzteres doch eher belastend. Vor allem, wenn man das Spielprinzip von einem der Minispiele noch nicht kennt, wird die Englisch-Hürde zum frustrierenden Problem. Klar, Schulenglisch hilft dem geübten Lehrling natürlich weiter und es wird ja auch nicht das Unmögliche verlangt, dennoch hätte es so einfach sein können, wenn das Spiel sich in seiner eigenen Muttersprache präsentiert hätte. Der Stempel „lobenswert“ findet heute trotzdem noch Verwendung, denn tatsächlich gibt es Unmengen an freispielbaren Charakteren, Designs für eure Pfeile und natürlich an den begehrten Trophäen, mit denen ihr vor euren Kumpels angeben könnt – vorausgesetzt, ihr bringt davor die Energie zum stetigen Üben auf.
Multiplayer:
Ja, es gibt ihn. Den allseits beliebten, immerzu gewünschten Mehrspielermodus. Ein DS, ein Modul und vier Spieler – wenn sich das nicht das nach spaßigen Stunden vor Nintendos Doppelbildschirm anhört! Aber im Ernst: Zwar ist dieses gemeinsame Zocken ein nettes Goodie mit zahlreichen anwählbaren Spielspaß-Varianten, kann für kurze Zeit erstaunlicherweise sogar begeistern, vom monotonen Gesamtkonzept kann es sich dennoch nicht herauslösen. Zudem haben die guten Entwickler von Full Fat es versäumt einen Online-Modus dazuzupacken, der weltweite Dart-Fans zusammengebracht hätte.
Fazit:
Manche Disziplinen gehören in Fußballstadien, andere in Bowling-Hallen und Dart gehört in niedliche verrauchte Kneipen, wo es Entspannung und lockeren Spaß zu später Stunde spendiert – definitiv ist es trotz sich anbietender TS-Wurfsteuerung keine Pflichtumsetzung für eine (tragbare) Konsole. Und wenn man nun unbedingt extravaganter programmieren möchte als für den krümeligen Dart-Zeitvertreib in „42 Spieleklassiker“, dann bitte auch überzeugend! In der Hinsicht der intuitiveren Steuerung und dem logischerweise viel üppigeren Umfang sticht „Touch Darts“ den Minigame-Kontrahenten von Nintendo zwar aus, allein die mäßige Präsentation erstickt alle guten Ansätze aber zu früh, um eine höhere Wertung zuzulassen. Wir schließen daraus: Sega portierte den einfachen Sport für Fans auf den DS, und echte Fans werden sich ihn zumindest auch mal ansehen – denn wer letztendlich die widerspenstige Steuerung beherrscht und wohlmöglich öfters ein paar willige Mitspieler parat hat, dürfte trotzdem seine Freude mit der etwas anderen Simulation haben. Alle anderen können diesen Game-Becher beruhigt an sich vorbei gehen lassen.
Elisabeth Grunert [Liese] und Jakob Nützler [Miroque] für PlanetDS.de
Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.
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Details
Spielname:
Touch Darts
Publisher:
Sega
Developer:
Full Fat
Genre:
Sport
Release:
07.20.0607
Multiplayer:
1-4 Spieler (an einem DS)
Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre
Screenshots:
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